Tschechische Benediktiner

Weitere Klöster der Slawischen Benediktinerkongregation des hl. Adalbert

Die Benediktinerabtei der hll. Petrus und Paulus —Stift Groß Raigern (Rajhrad)

Das Kloster Raigern wurde 1048 vom Herzog Břetislav I. als erstes mährisches Benediktinerkloster gegründet. Durch Jahrhunderte blieb es eine von Břevnov abhängige Propstei. Im 13. Jahrhundert wurde es durch Tatareneinfälle verwüstet. Das hussitische Wirren überstand es jedoch ohne Zerstörungen und wurde sogar zu einer Zuflucht der Mönche von Břevnov. Der Abt von Břevnov brachte sich auch nach Raigern in der Zeit des Ständeaufstandes am Anfang des 17. Jahrhunderts in Sicherheit. Im 18. Jh.wurde die Abteikirche nach dem Entwurf von J. B. Santini neu aufgebaut. Langsam entstand auch die barocke Bausubstanz der Konventsgebäude. Im Jahre 1813 wurde Raigern mit kaiserlicher Bewilligung selbstständig und zu einer Abtei erhoben. Im 19. Jahrhundert erlangte das Stift Raigern auf dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich in Mähren eine führende Stellung. Seine Bibliothek, die auch viele sehr wertvollen Handschriften aufbewahrte, zählte an hunderttausend Bestände. Die Kunstsammlung der Bilder war ebenfalls sehr umfangreich. Von hervorragenden Pröpsten sei besonders Bonaventura Piter (1756–1764), Professe von Břevnov, Geschichtsschreiber und Übersetzer der Benediktsregel, genannt. Ferner ragten durch ihre Gelehrsamkeit die Historiker Řehoř Volný und Dr. Beda Dudík, Titularabt von Trebitsch (Třebíč), Philosoph und Übersetzer des Aristoteles Dr. Pavel Vychodil, Archivar und Bibliothekar Maurus J. Kinter hervor. Das Stift hatte seinen eigenen Verlag und betrieb in Brünn eine Druckerei. Am 13. April 1950 brachen die Einheiten des Geheimdienstes und der Volksmiliz in das Stift ein und transportierten den Abt Václav Pokorný sowie die Mönchsgemeinschaft in Gefangenenlager für Ordensbrüder. Abt Václav Pokorný starb 1979 an seinem Zwangsaufenthaltsort. Das wertvolle Mobiliar und die Kunstsammlungen wurden entwendet und oft sinnlos vernichtet. Nur die Bibliothek gelang es zu retten. Die Konventgebäude dienten dreißig Jahre als Depots für Militärmaterial. Das Ziel war, diese Gebäude zu plündern und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Seit 1997 lebt die erneuerte Mönchsgemeinschaft von Raigern im Pfarrhaus, das zum provisorischen Konvent umgestaltet wurde. Der Trakt des Konventgebäudes mit der Stiftsbibliothek und mit dem Kapitelsaal wurde in den letzten Jahren renoviert und wird im Rahmen von Führungen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Benediktinské opatství sv. Petra a Pavla

664 61 Rajhrad

tel +420 547 230 027

Prior--Administrator P. Augustin Gazda OSB

Die Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau und des hl. Hieronymus (Emaus, Na Slovanech)

Das Stift Emaus (Na Slovanech) gründete Kaiser Karl IV. im Jahre 1347 zur Pflege und Erhaltung der slawischen Liturgie. Die Klosterkirche wurde am Ostermontag 1372 geweiht, nach dem Evangelium dieses Tages bürgerte sich der Name "Emaus" für das Kloster ein. Die ersten Mönchen kamen aus Kroatien. Das Kloster betrieb sein eigenes Scriptorium. In den Hussitenkriegen trat Abt Paul II. zu den Utraquisten über und bewahrte somit das Kloster vor gänzlicher Verwüstung. Nach seinem Tode (†1426) mussten fast alle Bewohner ihr Kloster verlassen. Die Hussiten richteten in Emaus ihr Konsistorium ein. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fand die Verlegung des utraquistischen Konsistoriums nach der Teinkirche statt und das Kloster erhielt wieder seine Selbstständigkeit. Benedikt Peňalosa, Beichtvater der Gattin des Kaisers Ferdinand III., erlangte den Auszug der wenigen übriggebliebenen tschechischen Mönche aus Emaus. Als sie 1635 nach St. Niklas in der Prager Altstadt zogen, wurde Peňalosa selbst als Abt mit spanischen Mönchen aus Monserrat in das Kloster Emaus eingeführt. Es begann wieder eine Zeit des Aufblühens. Unter den "spanischen" Äbten ragte Abt Johann III. Caramuel Lobkowitz (1647–1657) durch seine wissenschaftliche Tätigkeit hervor. Während des 19. Jahrhunderts kam das Stift an den Rand des Unterganges. Nach der Resignation des Abtes im Jahre 1871 wurde das Stift bis 1880 von einem Administrator verwaltet. Die erste Anregung, das alte Emauskloster den Beuroner Benediktinern, die aufgrund der reichsdeutschen Kulturkampfgesetze aus ihrem Heimatkloster in Beuron vertrieben wurden, zu geben, ging von Friedrich Kardinal Schwarzenberg, Fürst-Erzbischof von Prag, aus. Seine Majestät, der Kaiser Franz Josef I., dem das Patronatsrecht über Emaus zustand, stimmte dem Plan bereitwilligst zu. Nach ihrer Ankunft im Jahre 1880 entfernten die Beuroner Mönche die barocke Ausstattung und Verzierung der Kirche und des Konventsgebäudes und gestalteten die ganze Anlage neu im eigenen neoromantischen Stil der sog. Beuroner Kunstschule um. Sie gaben Zeitschriften heraus und erhoben das liturgische Feiern mit dem gregorianischen Gesang auf hohes Niveau. In der Zeit zwischen den Weltkriegen fanden in Emaus liturgische Kongresse statt. P. Marian Schaller OSB übersetzte für die Laien im Rahmen der liturgischen Erneuerung das römische Meßbuch. Im Juli 1941 wurde das Kloster von der Gestapo besetzt und die Mönche vertrieben oder in das KZ Dachau gebracht, wo Abt Ernest Vykoukal am 9. September 1942 starb. Am 14. Februar 1945 wurde die Abtei durch einen Luftangriff der Allierten beinahe vollständig zerstört. Nach Kriegsende begannen die Mönche mit dem Wiederaufbau, wurden aber 1950 von den Kommunisten aufs Neue aus dem Kloster vertrieben. Die Renovierung der Klostergebäude wurde in den 50er Jahren fertiggestellt. Ihren Sitz fand im Kloster die Tschechoslowakische Akademie der Wissenschaften. Ein Teil der Gemeinschaft von Emaus lebte im Exil. Sie erworben 1965 ein Kloster im Geburtsort des hl. Benedikt im italienischen Norcia. Nach 1990 lebten die Mönche von Emaus in Břevnov. Nach der Renovierung eines Stockwerkes im Konventsgebäude wurde 1995 die Klausur eingeweiht und von der Gemeinschaft wieder besiedelt. Die Renovierung der gotischen Stiftskirche dauerte bis 2003, wo auch der neue Altar konsekriert wurde.

Die Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau und des hl. Hieronymus

Vyšehradská 49

120 00 Praha 2

tel +420 221 979 226

Prior--Administrator P. Marián Klener OSB

Die Benediktinerabtei des hl. Wenzel -- Stift Braunau

Der jeweilige Obere von Břevnov ist zugleich Administrator der Abtei (z. Zt. P. Prokop Siostrzonek), Leiter der Klosterverwaltung: P. Norbert Zeman OPraem.
1213 schenkte König Přemysl Ottokar I. der Abtei Břevnov den "circuitus" Politz. Später stießen die Břevnover in das angrenzende Tal von Braunau vor, wo sie eine Propstei errichteten. 1260 bestätigte König Přemysl Ottokar II. den Besitz des ganzen Komplexes. Unter Abt Bavar von Nečtin (1290–1322) begann der Ausbau der Propstei zu einer burgartigen Klosteranlage auf dem Stadtfelsen von Braunau. Bei den Hussitenstürmen 1420 floh der Großteil des Konventes mit dem Abt von Břevnov nach Braunau. Somit begann die Epoche des Doppelklosters Břevnov-Braunau, die bis 1939 dauerte. Die heutige Klosteranlage ist ein prachtvoller Bau des Kilian Ignaz Dientzenhofer (1727–1735), der für den Abt Othmar Zinke sowohl in Braunau als auch in Břevnov arbeitete. Seit dem Mittelalter war in Braunau eine Klosterschule, die sich in der Neuzeit (seit 17. Jh.) in ein Gymnasium entwickelte. Anfang 1939 wurden auf Drängen der tschechischen Mönche die zwei Klöster der einen Abtei Břevnov-Braunau durch Dekret des Heiliges Stuhles getrennt und zu je selbstständigen Abteien erklärt. Noch vor Beginn des Krieges wurde dem Kloster Braunau das Gymnasium vom NS-Regime weggenommen. Zwei Patres wurden in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Nach dem Krieg wurden zwei deutsche Patres in einem Pfarrhaus des Klosters ermordet. 1946 wurden die deutschen Mönche im Zuge der tschechischen Benesch-Dekrete aus ihrem Kloster vertrieben und nach Deutschland ausgewiesen. Sie fanden ein neues Heim im ehemaligen Augustiner Chorherrenstift in Rohr in Niederbayern (Diözese Regensburg). Tschechische Benediktiner (Prior P. John Cherf) aus der Abtei St. Prokop in Lisle/Chicago, USA, versuchten, das Kloster zu halten, wurden aber 1950 des Landes verwiesen. Das Kloster Braunau diente danach als Konzentrationskloster für Schwestern verschiedener Orden.

Benediktinské opatství sv. Václava

Poštovní schránka 3, Broumov

tel +420 491 522 171

Einige ehemalige Klöster

Literaturhinweise

Benediktiner in Böhmen und Mähren allgemein
Břevnov und Braunau
Emaus
Raigern
Weitere ehemalige Bendiktinerklöster in Böhmen und Mähren

© Benediktinské arciopatství

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