Orgel

Die neue Orgel in der St. Margareten Basilika

Über die Existenz von Orgeln in den Vorgängerkirchen, die an Stelle der heutigen barocken Basilika standen, besitzen wir keinerlei Unterlagen. Wir wissen lediglich, dass 1713 der Orgelbauer Tobias Meissner offenbar für die Übertragung der Orgel aus der alten Kirche bezahlt wurde. Einige Jahre war diese Orgel aufgestellt, später jedoch wurde sie schadhaft. Derselbe Orgelbauer errichtete 1725 in der Basilika der hl. Margarete eine neue Orgel. Es erhärtet sich die Annahme, dass Tobias Meissner als Autodidakt war. Daher überrascht die perfekte bildnerische und ganz untraditionelle Architektur des Orgelschrankes (Orgelprospektes), wie ihn überhaupt keine vergleichbare andere Orgel in den böhmischen Ländern besitzt. Betrachtet man die im Orgelbau unübliche Konstruktion (z.B. Drehung aller Pfeifenfelder zur Wand der Kirche, auf Höhe der Prospektpfeifen nicht klingende, (stumme) unnormal breite Pfeifen, Grundriss in Form eines Kreisausschnittes, in dem die Windkanäle untergebracht sind, usw.), müssen wir die Annahme nicht verteidigen, dass dieses Gehäuse von jemanden entworfen worden sein muss, der von Orgeln nicht viel verstand. Darüber hinaus wurde im Inneren der Orgel das Fragment einer Inschrift gefunden, worin sich wahrscheinlich der Orgelbauer über den nicht ausreichenden Platz beschwert. Bedenket man, dass K. I. Dientzenhofer für diese Kirche die Architektur des Hochaltares entworfen hat, und dass nach seinen Vorlagen auch alle Seitenaltäre in der Basilika gemalt wurden (auch das Oratorium im Presbyterium hat er entworfen, in dem der Abt eine Auswahl an Messgewändern und Pretiosen aufbewahrte), kann man annehmen, dass K. I. Dientzenhofer der Schöpfer dieses imposanten Orgelprospektes ist. Das Orgelgehäuse bildet den Rahmen für das große Westfenster in der Weise, wie die Altaraufbauten die großen Gemälde von P. Brandl umrahmen. Die korinthischen Kapitelle an den Pilastern des Kirchenschiffes haben ihre Reminiszenz auch am Orgelgehäuse. Es handelt sich wohl um den ersten Entwurf eines Orgelgehäuses dieses großartigen Architekten. Dieses außergewöhnliche Unikat ist umso kostbarer, als es außer diesem nur noch einen späteren Entwurf im benachbarten Polen gibt, über die Realisation eines weiteren Entwurfes wissen wir nichts.

Weil der Bau sich setzte und ein großer Riss auf der Westseite der Kirche auftrat, musste das große Fenster in dieser Wand zugemauert werden. Wegen des unschönen Anblicks wurde danach unter den mächtigen Bogen, der die beiden großen Orgelschränke verbindet, der obere Teil des Rokokoschranks einer aufgelassenen Orgel aufgestellt, um hier als bloße Kulisse zu dienen. Vielleicht kam es bei dieser Gelegenheit auch zur Klangerweiterung der Orgel um das Rokoko-Positiv im Geländer des Chores.

Es war guter Brauch, die Reparaturen der Orgel durch Einträge direkt auf der Innenseite des Orgelschrankes zu dokumentieren. Auch auf dieser Orgel finden wir einige Einträge, von denen einer -- deutsch geschrieben -- ganz einmalig ist. Der Geselle, der die Reparatur der Orgel im September 1877 durchgeführt hat, schüttet darin einem Mädchen namens Anna sein Herz aus, mit den Worten: "27. September ... morgen fahre ich ... gerade habe ich den Beginn eines neuen Glücks gefunden ... niemals war ich so glücklich."

Die barocke Orgel wurde 1896 durch ein neues Instrument der Firma Heinrich Schiffner ersetzt, die damals in der ehemaligen Klosterbrauerei ihre Werkstatt hatte. Von der alten Orgel wurden lediglich einige Pfeifen verwendet, und weil es sich um eine umfangreichere Konstruktion handelte, musste der gesamte hintere Teil des Orgelschrankes abgeschnitten und mit provisorischen Pfeilern gestützt werden, die dort bis zur heutigen Zeit überdauert haben. Die neue Orgel war jedoch nicht sehr zuverlässig, und die Bemühungen sie zu reparieren, sie evtl. zu erweitern, können wir bereits im Nachkriegsjahr 1947 bemerken. In den folgenden Jahren gab es eine Fülle von Vorschlägen, die jedoch wegen mangelnder finanzieller Mittel nicht verwirklicht wurden.

Der größte Schlag für die Orgel war die in den 1960ger Jahren laufende archäologische Untersuchung in der Kirche bei der Ausgrabung der romanischen Krypta. Weil sich der Zustand der Orgel bis zu einem kritischen Stadium verschlechtert hatte, wurde ein Orgelbauer angesprochen, der 1977 den Umbau begann. Grund dafür waren die niedrigeren Kosten als bei einer anderen Orgelbaufirma. Die Arbeiten fanden jedoch in seiner Freizeit statt und schritten nicht wie erwartet voran. Praktisch wurde nur die I. Etappe ordentlich durchgeführt, in der die Bestandteile der bestehenden Orgel, die nicht weiter verwendet werden sollten, vom Orgelbauer zerschnitten und zerstört wurden. Weil auch nach zehn Jahren auf der zu reparierenden Orgel nahezu kein Fortschritt erkennbar war, kam es zur Beendigung seiner Tätigkeit. Einen Teil der finanziellen Mittel, die ausgezahlt worden sind, hat der Orgelbauer zurückgegeben, und weitere Verhandlungen wurden durch seinen Tod verhindert.

Nach 1989 keimten wieder Bestrebungen über die Erneuerung der Orgel in der Basilika auf. Auch ausländische Firmen wurden angesprochen. Aber alles scheiterte an den finanziellen Mitteln, die vorzugsweise in die Erneuerung des heruntergekommenen Klosterkomplexes wanderten. Der anfängliche Zeitabschnitt wurde intensiven Untersuchungen der Architektur des Orgelprospektes und dem Neuentwurf der Orgel gewidmet, der das Besondere des Orgelgehäuses beachten sollte. Angesichts eines so außergewöhnlichen Unikats wurde entschieden, dass alles sich dem ursprünglichen Dientzenhoferschen Konzept unterordnen sollte. Daher entschloss man sich für die Erneuerung des Westfensters, für die Abnahme der später hinzugefügten mittleren Rokokoarbeiten und die Rekonstruktion der hinteren Orgelgehäuseteile. Von der klanglichen Seite wurde entschieden, dass man keine "Universalorgel" haben wollte, die eigentlich nur aus Kompromissen besteht, sondern der Klang sollte sich den Barockorgeln im Gebiet Schlesiens annähern, woher der Orgelbauer Tobias Meissner gekommen war. Die Verbindung von der Taste zur Pfeife ist mechanisch. Dies hat sich vom betriebstechnischen Standpunkt aus als am zuverlässigsten erwiesen. Für die Beschriftung der einzelnen Register wurden die deutschsprachigen Fachausdrücke gewählt.

Nach zehnjähriger Bauzeit kann die neue Orgel dank der Unterstützung durch den Stadtteil Prag 6, den Verband der Břevnover Gewerbe und Unternehmer, das Kulturministerium und viele ungenannte Spender und sponsoren im Jubiläumsjahr zur hundertjährigen Erhebung der Gemeinde Břevnov zur Stadt feierlich eingeweiht werden. Seit 30. September 2007 sind in der Basilika die neue Orgel wieder zu hören.

Die Orgel hat 3 Manuale und 34 Register.

© Benediktinské arciopatství

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